Auf Burgentour
Am Sonntag Nachmittag ging es mit dem Rapid zurück nach Hermannstadt.
Am Montag wurden die Rucksäcke, um einiges erleichtert, in Maria's Auto gepackt und wir fuhren Richtung Weinland, so zumindest unser Vorsatz.
Erste Zwischenstation war Stolzenburg mit Burg- und Kirchenbesichtigung. Weiter dann die Kirchenburg in Frauendorf und Industrieruinen in Kleinkopisch. Überall schon mal gewesen. Deshalb ein Ziel etwas abseits der Strasse gesucht : Kleinschelken . Und das war ein Volltreffer.
Vorn an stand wie so oft die Suche nach dem Herrn oder der Frau mit dem Schlüssel für die Kirche. Wir gerieten an Herrn Daser. Das war der erste Siebenbürger Sachse, der uns die Geschichte der Deutschen in Rumänien ausführlich erklärte. Er lies kaum etwas aus und beschränkte sich nicht nur auf die Jahre seit 1945. Seine allgemeinen Angaben deckten sich mit unserem Wissen zur Geschichte. Interessant waren die spezifischen Informationen zu Kleinschelken.
Gut, dass er in seinem Alter noch einen gepflegten, sortenreinen Weinkeller betreibt und den Trester auch noch zu einem guten Tropfen brennt. So wurde es ein wunderbarer Abend. Natürlich haben wir für all die Getränke bezahlt.
Zuvor hatten wir noch Quartier im Pfarrhaus genommen. Eine kleine Broschüre über Unterkünfte und Wanderungen rings um Mediasch war uns bei der Suche nach Schlafplätzen hilfreich. Auch gibt es im Internet gute Informationen.
Kostenpunkt für die Nacht waren 7 € je Person mit Selbstverpflegung in einer großen, gut ausgerüsteten Gemeinschaftsküche.
Kleinschelken war für uns das Dorf, in welchem außergewöhnlich viele Siebenbürger Sachsen ihre Höfe zurückgekauft und saniert haben.
Den nächsten Morgen ging es auf nach Mediasch. An der Strasse nach Großprobstdorf wurde gerade ein Viehmarkt abgehalten. Ein Reisenspektakel !
Im Gegensatz zur Schwarzen Kirche in Kronstadt bemüht man sich in der evangelischen Kirche in Mediasch sehr um die Touristen und Besucher. Auf jeden Fall sollte man auch die Burgführung für 3 RON pro Person buchen.
Weiter ging es nach Meschen. Die dortige Kirche ist momentan innen vollständig eingerüstet und wird saniert. Leider war im Pfarrhof niemand da. Wir hätten gern im Geburtshaus von Roth geschlafen. Es machte einen sehr guten Eindruck und ist sicher ein toller Tipp, abseits jeglicher Touristenpfade.
Über Reichesdorf führte uns der Weg dann nach Birthäln. Wir hatten etwas Bammel vor einem möglichen Touristentrubel. Das war aber unbegründet. Außer drei geöffneten Souvenirläden, einem wirklich guten Geschäft mit Volkskunst  und ein paar Burgbesuchern war kaum etwas los.
Im evangelischen Jugendzentrum, wo wir die Nacht verbrachten ( 24 RON je Person mit Selbstverpflegung), waren wir allein. Auch diese Übernachtungsmöglichkeit können wir ohne Abstriche weiter empfehlen.
Im Ortszentrum steht ein Wegweiser : Weinkeller 1 km
Abgesehen wieder von der (rumänischen) Entfernungsangabe erweist sich dies als die Kelterei (?) desOrtes, die freilich keinen Wein zu verkaufen hat. Ob dies immer so ist, haben wir nicht herausgefunden. Aufgegebene Weinterassen rings um Birthäln lassen vermuten, dass das edle Getränk in kurzer Zeit nach der Leese ausverkauft ist.
Den nächsten Morgen fuhren wir über Scharosch an der Kokel ( eine arge Zigeunersiedlung etwas oberhalb der Kirchenburg und deswegen eine Unmenge bettelnder Kinder) und Dunesdorf ( ein sehr sauberer und gepflegter Ort - viele Ungarn ? ) nach Schässburg.
Ich war 1974 sehr fasziniert von dieser Stadt. Diesen Eindruck hatte ich dann von Besuch zu Besuch nach unten revidiert. 1987 schien mir alles zu verfallen. Hut ab, wie man das geändert hat. Ich glaube, diese Stadt hat im Gegensatz zu Kronstadt ein echtes Tourismuskonzept. Und man spürt das auch.
Am späten Nachmittag fuhren wir dann über Schaas nach Trappold. Ich war gespannt, welche seiner Vorhaben S.Bethge dort seit dem letzten Jahr verwirklicht hatte. Da war ich noch sehr skeptisch als wir in seiner Burghüterwohnung darüber unterhielten und bei dieser Gelegenheit uns einen Floh seines Hundes einhandelten. Heute sind die Fortschritte an der Burg unübersehbar.
Unsere Fahrt ging weiter über Henndorf, Neithausen, Neustadt nach Hundertbücheln. Abseits der größeren Straßen bieten die Dörfer einen trostlosen Anblick. Ebenso die dort angesiedelten Kirchenburgen. Wenn eine zwischen Hermannstadt und Schässburg zuerst umfällt, dann ist es die in Hundertbücheln. Dafür nehme ich Wetten an.
Den Schlüssel für die Kirche verwaltet ein Zigeuner. Er war anfangs sehr mürrisch und kaum zu bewegen, uns zu begleiten. Wir müssten etwas "verzollen", meinte er, dann käme er mit. Mit der Aussicht auf Bani verbesserte sich seine Laune und vor allem sprach er von Minute zu Minute besseres Deutsch. Zum Schluss bot er uns auch noch Übernachtung im Pfarrhaus an, pflückte in der Burg für Elke  und Sabine Blumen und liess sich stolz im Auto zurück zu seinem Haus fahren.
Später erzählte uns dann Paul, dass er und andere ähnliche Erlebnisse mit ihm hatten.
Heinz und Sabine wollten unbedingt die Burg in Jakobsdorf sehen. Also wurde auch noch der Abstecher vorgenommen. Mich selber bekommt niemand mehr in die Kirche des Don Bosco. Wer sich die unbedingt ansehen möchte, mag das gern tun. Vielleicht ist es ein Beispiel für die Zukunft der Siebenbürger Kirchenburgen !?
Danach fuhren wir auf direktem Wege über Agnetheln nach Hermannstadt und Grossau.
Schade, das die Zugverbindung durch das Harbachtal aufgegeben wurde. Mit dieser Bahn hatten wir 1977 unsere erste Kirchentour links und rechts des Harbachs unternommen.
Gerüchten nach, soll es aber Bestrebungen geben, diese Strecke wieder aufleben zu lassen.
Zusammen mit Maria und ihren beiden Mini's ging es dann den nächsten Tag nach Mühlbach mit Zwischenstation in Kelling. Die dortige Burg wurde ins Weltkulturerbe aufgenommen. Was sie dafür besonders auszeichnet, verschließt sich mir. Sie ist aber in einem guten Zustand und mit Museum auch sehenswert.
Die eigentliche Kirche steht etwas abseits oberhalb der Burg. Was mir hier in Erinnerung bleibt sind außergewöhnlich viele Agavengewächse auf dem der Kirche umliegenden Friedhof.
Mühlbach ist ein Beispiel dafür, dass auch rumänische Städte Umgehungsstrassen brauchen. Der ganze Verkehr müht sich durch die Innenstadt und verursacht einen Stau ohne Ende.
Ansonsten ist in Mühlbach vieles gepflegt und im Zentrum sind die Strassen und Plätze zweisprachig ausgeschildert. Wer etwa Zeit hat, sollte unbedingt eine Wanderung zu den "Roten Bergen" unternehmen die man in ca. 45 Minuten vom Zentrum aus erreicht.