Auf in die Berge
Uns waren noch die langen Warteschlangen in auf den Bahnhöfen und in den Agenturen der Rumänischen Bahn in der Zeit vor 1989 in Erinnerung.
Also ging es am Montag zeitig Richtung Hermannstädter Bahnhof. Dieser ist momentan nur zu Fuß erreichbar. Eine riesige Baustelle davor und selbst ist er  ein fast vollständiges entkerntes Gebäude.
Bin gespannt, ob dessen Sanierung bis 2007 abgeschlossen sein wird.
Wenigstens fuhren wieder Züge, wenn auch auf dem Fahrplan fast die Hälfte (dauerhaft ?) annulliert war. 2005 streikten Ende Juni die Eisenbahner. Da ging gar nichts.
Fahrkarten gab es in einem improvisiertem Schuppen. Pro Person kostete sie von Hermannstadt nach Kronstadt 26 RON für den Rapid.
Dass Angaben zum Bahnsteig Schall und Rauch sind,  wußten wir. Also vorsichtshalber den Rucksack aufbehalten und dann nach der Ansage in einem kurzen Sprint über die Gleise vom ( planmäßigen) Bahnsteig 1 zum Bahnsteig ( Gleis ) 7.
Dort stand dann ein moderner, sauberer Triebwagenzug, ausgerüstet von Siemens.und wenig Fahrgästen an Bord, der pünktlich los fuhr und auch pünktlich ankam.
So blieb noch Zeit für einen Abstecher in die Kronstädter Innenstadt.
Weiter wollten wir Richtung Cabana Babarunca. Dort hatten wir 1986 schon mal auf dem Rückweg aus dem Ciucas gezeltet.
Also zurück zum Bahnhof, raus aus der Stadt mit der Strassenbahn und dann in den Bus nach Vierdörfel/ Sacele. ( auf der Karte zum Atlas der siebenbürgisch- sächsischen Kirchenburgen und Dorfkirchen habe ich auch die Bezeichnung Siebendörfer gefunden ?!).
Am Busdepot dann die Nachricht: Ein Weiterkommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht möglich. Eventuell noch nach Pradet. Über Kreisgrenzen geht nichts. Die Maxi- Taxen fahren alle die Strecke über Predeal. Die 1A über Cheia bleibt den LKW's vorbehalten. Sie ist gut ausgebaut aber mitunter für große Lastzüge verdammt eng.
Aber Rumänien ist eben Rumänien und es geht doch immer irgendwie und wenn der Zufall hilft.
Eine Frau mit einem kleinen Fiat hörte unser Gespräch mit dem Busfahrer und gab uns zu verstehen, dass sie in der Cabana Babarunca arbeitet und uns mitnehmen möchte.
Unser Einwand, wir würden doch gar nicht in ihr Auto passen, zumal dort schon 3 Mitfahrer saßen, entkräftete sie, indem sie zwei davon auslud, unsere Frauen mitsamt ihren Rucksäcken dafür ein. Heinz und mir gab sie zu verstehen, dass sie in 45 Minuten zurück sei, um uns und die anderen beiden dann mitzunehmen.
Natürlich waren es 45 rumänische Minuten (Faktor > 2) und es dämmerte schon. Ich habe noch nie eine nachtblindere Fahrerin erlebt ! Vor allem aber war ich skeptisch , als die Fahrt an der eigentlichen Babarunca vorbei und aufwärts zu einem kleinen Anwesen ging. Dort empfingen uns unsere Frauen und Elke meinte, den Chef der Familie zu kennen. Er erzählte uns in ganz passablen Deutsch das gleiche, wie vor 20 Jahren. Er hatte in Ost-Berlin für 2 Jahre als Koch gearbeitet. Früher war er tatsächlich der (staatliche) Leiter der Babarunca. Er hat sich jetzt selbständig gemacht und war gerade dabei mit Arbeitern ( wohl eher Ausruhern) aus Bukarest seine "Babarunca" auszubauen. Es wurde noch ein langer Abend.
Die eigentliche Babarunca zeigte einen geschlossenen Eindruck. Wer also dort etwas zum Schlafen und Essen sucht: Von Kronstadt kommend an der Babarunca vorbei und nach ca. 200m links das Anwesen von Marian ansteuern.
Am nächsten Morgen, bewahrheitete sich wieder mal meine These "glaube keinem Rumänen seine Wetterprognosen". Der Tag begann schön und sollte laut Marian auch so weitergehen.
Wir machten uns auf den Weg  zur Ciucas-Hütte.
Trotz Recherche im Internet war es mir nicht gelungen, Info's zu deren Zustand zu bekommen. Später dann, wieder in der "Erasmus"- Buchhandlung habe ich im Jahrbuch 06 von der aufgegeben Ciucas- Hütte gelesen.
Überhaupt finde ich es schade, dass für die Gebirge abseits der Fagaraschberge keine verlässlichen Informationen bezüglich der Hütten zu bekommen sind. Auch der Salvomont ist da überfordert. Das hatten wir schon im Vorjahr im Cindrel festgestellt. Dort kann man nur noch in der Cinaia übernachten.Alle übrigen Hütten sind nach Auskunft von Samuel Hutter, dem Glöckner aus Grossau, nach und nach zu den orthodoxen Osterfeiern abgebrannt.
Zurück zu unserer Tour. Nach etwa einer Stunde öffnete der Himmel sein Pforten und es schüttete teilweise stark. Spätestens am Sattel  Tigailor,  nach Pfaden über zugewachsene Wiesen, platschte es auch in den Bergschuhen. Kurz unterhalb des Sattels  trafen wir einige unentwegte Heidelbeerpflücker.
Nach ca. 5 Stunden kamen wir an der Ciucas- Hütte an, um dort festzustellen, dass sie nicht nur nicht bewirtet ist, sondern auch soweit zerstört ist, dass selbst das Aufschlagen eines Notlagers nicht möglich ist. Hinzu kommen Müllberge, meist aus zerschlagenen Bierflaschen.
Uns blieb nichts weiter übrig, als weiter zur Cabana Muntele Rosu abzusteigen. Wehmütig dachten wir an unsere Wanderung vor 20 Jahren mit unseren Kindern samt dreier Übernachtungen in der Ciucas- Hütte zurück. Dort hat man bei Sonnenauf- oder -untergang ein wunderbares Panorama mit dem Krähenstein und der Zaganu-Kette. Da die Hütte auch früher kein Wasser hatte, wurde dies mit einem Pferdefuhrwerk auf steilem Wege herangeschafft. Das letzte Teilstück durften dann die Kinder mitfahren.
Und eben auf diesen steilen, jetzt arg ausgewaschenen Weg ging es abwärts.
In der Muntele Rosu kamen wir nach insgesamt knapp 7 Stunden Regenwanderung völlig durchnässt an. Aber eine rumänische Ciorba, egal aus welchen Zutaten auch immer, und ein Tuica helfen da immer.
Danach waren wir einfach zu faul, einen Preisvergleich mit den umliegenden Übernachtungsmöglichkeiten zu starten. So buchten wir zwei Doppelzimmer für insgesamt 120 RON und bekamen noch einen großen Aufenthaltsraum dazu, den wir zum Speisezimmer und Trockenkammer  umfunktionierten. Vom Hüttenchef erhielten wir noch einen elektrischen Heizkörper, (Sabine wollte eigentlich " old newspapers ") zum Trocknen der Schuhe.
Wir können die Cabana nur empfehlen. Auch wegen der sauberen Zimmer. Freilich, mancher Fensterladen geht nicht zu öffnen, aber wo hat man schon auf dem Balkan alles Gute beisammen ?
Der nächste Morgen lieferte den Beweis, dass auch vier deutsche Alpenvereinsmitglieder Nieten in Bezug auf Wettervorhersagen sind.
Im Gropsoarele- Zaganu-Kamm hingen die Wolken. Wir beschlossen weiter nach Cheia abzusteigen. Nach einer Stunde kündigten Müllberge im Wald an, dass es nicht mehr weit bis zur Ortschaft ist. Dort mieteten wir für 2 Nächte zwei kleine Holzhütten im Touristenkomplex "Ciucas" ( 50 RON pro Hütte und Nacht) und erlebten einen wunderbaren wolkenlosen Hochsommertag.
Cheia wird dominiert durch Sommerfrischler aus Bukarest und Constanta ( das zeigen die Autokennzeichen). So mancher hat sich hier sein Wochenendhaus gebaut oder ist gerade dabei.
Wir besichtigten noch das Kloster in Cheia und durchwanderten die naheliegende Klamm.
Den nächsten Tag ging es retour bergauf über den Gropsoarele, durch die Stinei-Klamm über die Stinei- Wiesen zurück nach Cheia.
Reichlich 10 Stunden waren wir bei guten Bergwetter unterwegs, bis es abends zu regnen anfing und die ganze Nacht nicht aufhörte. Am nächsten Morgen waren alle Strassen im Ort zu kleinen Bächen geworden. Das bedeutete : Wieder nasse Schuhe.
Unser Weg führte uns nur zur Nationalstraße 1A, um dort den Daumen in den Wind zu halten. Elke und ich kamen gleich mit dem ersten Auto, einem Kühlwagen beladen mit geräucherten Würsten, mit. Die Rucksäcke wurden hinten eingeladen und unsere Aufgabe bestand darin, wie schon oft früher beim Trampen, den Fahrer munter zu halten.
Unser Vorsprung auf Sabine und Heinz am Kronstädter Bahnhof reichte gerade mal für ein Bier.