Wochenende in Hermannstadt
Am Samstag ging es nach Hermannstadt. In der Oberstadt um den Kleinen und Grossen Ring hat sich im Vergleich zum Frühsommer 2005 viel getan. Viele Häuser waren fertig renoviert, die Plätze waren gepflastert, ebenso grosse Teile der Heltauer  Strasse.
Am Kleinen Ring hatten  wieder mehr Strassencafe's offen , dafür fehlten diese vollständig auf der Heltauer .
Die Hauptattraktion und das meist gesuchte Fotomotiv für die Hermannstädter  und Lieblingsspielplatz der Kinder ist der neue, ins Pflaster des Grossen Ringes eingelassene  Springbrunnen.
Die Wege einschließlich der Stiegen zur Unterstadt waren fast alle aufgerissen und man werkelte auch am Wochenende überall.
Jenseits der Altstadt hat sich gegenüber 2005 kaum etwas geändert.
Leider hatten wir das schlechte Wetter aus Deutschland mitgebracht. Unser Vorhaben, uns auf dem Markt am Zibin mit Lebensmitteln einzudecken, endete mit einer Flucht vor dem Regen unter die (Sonnen-)Schirme eines Biergartens in Marktnähe.
So konnten wir nur noch ein paar Liter Wein aus einem Fass in einem  der umliegenden Weinläden ( es sind wohl genau zwei ) kaufen.
Abends war dann wieder Grossau angesagt.
Am Sonntag nahmen wir am Gottesdienst in Grossau teil. Im Vorfeld dessen war ich, als seit 1974 in Sachsen wohnhafter Anhaltiner, auf die Reaktion der hier noch heimischen "Sachsen" gespannt.
Noch im Vorjahr wurden wir zu gleichem Anlass gebeten, doch nicht am Gottesdienst teilzunehmen, da dies  die einzige Zeit sei, zu der die Heimgebliebenen unter sich seien und sie wollen dies auch so. Allein wir stellten im letzten Jahr mehr Seelen als sie und nahmen also doch teil.
Dieses Jahr waren relativ viele "Sommersachsen" da, so dass gar keine Diskussion aufkam.
Hier möchte ich etwas vom Bericht abschweifen und etwas zu meinem (gespaltenen) Verhältnis zu den Siebenbürger Sachsen und den Banater Schwaben anmerken:
Ich habe mich viel ( auch wegen der Herkunft meiner Eltern )  mit der Geschichte deutscher Siedlungsgebiete außerhalb Deutschlands beschäftigt. So hatte ich über 15 Jahre hinweg die Zeitung "Neuer Weg" abonniert, die abgesehen vom politischen Teil sehr interessant war.
  Auch alle meine Reisen führten mich in die  zu DDR- Zeiten erreichbaren Ziele : Rumänien, Ungarn, Böhmen, Zips, Schlesien, Baltikum, Ostpreußen. Nirgends war der verbliebene deutsche Bevölkerungsanteil so groß wie in Rumänien. Aber gerade hier habe ich mit wenigen Ausnahmen keine Kontakte bekommen. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass wir viel in den Bergen unterwegs waren und zum anderen eben auch daran, dass wir aus der DDR kamen. Ich konnte und kann mir einfach nicht vorstellen, dass mehr als 800 Jahre Kulter hier nur hinter verrammelten Hof- und Haustüren überleben konnten.
Nach 1989 habe ich dann in den "alten" Bundesländern einige Siebenbürger in meinem Alter kennen gelernt, die als Kinder mit ihren Eltern Rumänien in den 60-iger Jahren verlassen hatten. Ausnahmslos war ich derjenige, der bei ihnen wieder das Interesse für Rumänien geweckt hatte.
Im vorigen Jahr stellte ich eben auch durch obiges geschildertes Erlebnis zum Gottesdienst fest, wie teilweise konzeptionslos mit der deutschen Kultur und deren Erbe in Rumänien umgegangen wird. Der Gipfel ist für mich die Kirchenburg in Jakobsdorf !
Zurück zum Urlaub 2006:
Gegen Mittag ging es dann wieder nach Hermannstadt. Diesmal bei gutem Wetter, inklusive Einkauf auf dem Markt.
Sehr positiv überrascht, war ich von der Buchhandlung "Erasmus" im Teutsch-Haus. Das Angebot an rumänischer, deutscher und englischer Literatur kann überzeugen, ebenso die Fülle an Reiseliteratur und Karten. Angebunden ist ein Cafe , auch mit Tischen im Hof und ein schöner und sauberer Kinderspielplatz .